Hallo Sebastian,
du schreibst eine für mich sehr intensive und atmosphärische Geschichte. Die Hauptpersonen sind gut eingeführt und du schaffst es, viele teilweise unterschwellige Konflikte miteinzubringen, z.B. der Generationenkonflikt, Freundin des Sohnes "erobert" den Frühstückstisch, Unstimmigkeiten zwischen den Eltern.
Unheimlich gut hat mir gefallen, dass du es irgendwie geschafft hast, keinen der Charaktere in irgendein Schema einzutüten. Ich vermute, es liegt an den frischen und ungewöhnlichen Dialogen mit viel hintergründigem und trockenem Humor. Man spürt zwar, dass da in dieser Familie etwas lauert, das man nicht direkt aus dem Text erschließen kann, aber trotzdem bekommt man ein gutes Gefühl nach dem Lesen der Geschichte. Es ist wirklich stark.
Nicht ganz habe ich verstanden, worauf die Anspielung mit Willy Brandt abzielen sollte. Geht es um Eddys Sauforgien (die zwar nicht näher erwähnt sind aber höchstwahrscheinlich stattfinden) oder ist sein Vater eine Art verkappter Alkoholiker?
Überrascht hat mich, dass die Eltern offenbar etwas dagegen haben, dass Eddy seine Freundin mitbringt. Die meisten Eltern würden wohl mit einer Art höflichem Automatismus reagieren, auch wenn sie das Mädchen nicht kennen und es ihnen vielleicht sogar unsympathisch ist. Nicht so Eddys Mutter Jutta: Ihr passt es gar nicht, dass Ann-Kristin im Haus übernachtet hat und dass sie frühmorgens mit ihr in Kontakt treten soll. Du lässt offen, welche Gründe das hat. Ist Jutta einfach so gestrickt, oder kann sie sich nicht mit Eddys Erwachsenwerden oder seiner Abkapselung von Zuhause abfinden? Oder geht es doch um einen unterschwelligen Konflikt, spielt der Alkohol in dieser Familie eine Rolle und es soll verhindert werden, dass ein Außenstehender etwas davon mitbekommt?
Dass man sich das selbst überlegen muss und einem eigene Freiräume in dieser Geschichte bleiben, ist gar nicht die schlechteste Lösung, in diesem Fall sogar sehr gut, denke ich.